Prima Materia

Hedera Helix und Taxus Baccata
Erysium Cheire und Atropa Belladonna
rauben dir den Atem
lassen dein Herz höher schlagen
röten dir die Wangen
und während die Hände zu zittern anfangen
schießt dir der rote Fingerhut ins Blut
Es steht dir gut
den Durst stillst du mit Wolfsmilch
und den Hunger mit dem Samen der Aprikose
und ich beobachte Farbenspiel
auf den Blättern der Herbstzeitlose
der Goldregen
bringt uns seinen Segen bei Nacht
die Schlafstatt aus Efeu und Eiben ist gemacht
die Chrysantheme stillt dir heimlich das Augenlicht
und Engelstrompete die zu dir spricht
ich hör sie kaum
weil unter dem Schellenbaum beginnt mein Fiebertraum
Quasi Amara und Euphorbia Marginata
Adonis Flamae und Digitalis Obskura
schließen dir die Lider
und der bittersüße Nachtschatten liegt auf deinem Gesicht
es duftet nach Oleander und Flieder
doch, du bemerkst es nicht
Dein Haupt schmückt der Kirschlorbeer und meines das Bilsenkraut
eine Christrose steckst du mir ins Haar und flüsterst
Prima Materia, schön wie der Adlerfarn
Ich krieche und du näherst dich mir langsam an



Wallach

Perlmuttfarbene Augen grau-luzide Haut.
Der Halbseidene schaut die schwarzen Silhouetten.
Er kann sie wittern,
wie sie sich verbergen in den Schatten der dunklen Ecken und zittern.
Im graut vor dem Moment seiner Enthüllung, doch er nimmt es in Kauf.
Er ist ein so zwiespältiges Wesen und darüber hinaus.
Er pirscht sich heran und dann, ganz nah an dir dran,
tritt er den Rückzug an.
Hörst du seine Laute, sie sind von metallischem Klang.
Er liegt auf der Lauer die Jagd liegt ihm im Blut und sein Kampfgesang
kündet von möglichen Opfern und leichter Beute.
Nervöse Gesten veraten den unbändigen Trieb.
Schnelle Bewegungen führen in diesem,
seinem mächtigen Körper gegeneinander Krieg.
Er ist ein reizvolles Wesen, der Wallach gefällt.
Seine Erscheinung verlockend, seine Seele entstellt.
Es drängt ihn die Angst, es treibt ihn die Wut,
verzerrt ist sein Anlitz wie von feurigen Kohlen und er lacht,
so glaubt man, aber nur fast
Wen soll er lieben heut Nacht,
Wen wird er holen...

Der Wallach singt und er tanzt
seine wildesten Tänze bis an den Rand seines Verstands.
Der Wallach singt und er greift nach dem leisen Schatten, der ihn streift.
Der Wallach singt und er lacht, doch sein Glanz ist nicht mehr als der Trug einer Nacht.
Der Wallach singt und er hetzt,
er sieht im Lehm seine Spuren in Brand gesetzt.
Der Wallach singt und er verführt, das Ersehnte ist in Sicht.
Es bleibt allein der Augenblick, denn Erfüllung erfährt er nicht.